Interview mit einer Flugbegleiterin

Interview mit einer Flugbegleiterin

Über den Wolken
muss die Freiheit wohl grenzenlos sein
alle Ängste alle Sorgen, sagt man
blieben darunter verborgen, und dann
würde was uns gross und wichtig erscheint
plötzlich nichtig und klein

Reinhard Mey

Jeden Tag in einem anderen Land und damit auch noch Geld verdienen. Für Viele der absolute Traum, für Swee Ying Liew (37), einer Leading Stewardess von Singapore Airlines, seit über einem Jahrzehnt bereits Alltag.

Auf meinem letzten Flug nach Bali hatte ich das Glück, die nette Flugbegleiterin kennenzulernen und mit einem regelrechten Fragenhagel bombardieren zu dürfen. 

Wie das Leben einer Flugbegleiterin aussieht, wie man in diesen elitären Berufskreis aufsteigt und welche Besonderheiten damit einhergehen, könnt ihr im nun folgenden Interview erfahren.

Hallo Swee Ying Liew! Wie lange arbeitest du bereits für Singapore Airlines?

Seit fast 15 Jahren.

Was hat Singapore Airlines, dass andere Airlines nicht haben?

Wodurch Singapore Airlines sich von anderen Airlines abhebt, ist unsere Hingabe für einen erstklassigen Service, den sogar unsere Wettbewerber als Maßstab nehmen. Bei uns sorgt jeder Mitarbeiter dafür, dass unsere Standards hoch bleiben. Für unseren exzellenten Service haben wir bereits mehrere Preise gewonnen und ich bin stolz darauf, Teil dieser Airline zu sein und zu ihrem Erfolg beizutragen. 

Hast du Tipps für junge Frauen oder Männer, die gerne als FlugbegleiterIn für Singapore Airlines arbeiten würden?

Wir heißen Menschen willkommen, die kundenorientiert sind, gerne neue Menschen kennenlernen, teamfähig sind und natürlich die Welt entdecken wollen. 

Fast täglich über den Wolken, jede Woche eine andere Stadt, Kontakt mit den unterschiedlichsten Menschen… ich könnte noch ewig so weiter machen. Was gefällt dir an deinem Beruf am meisten? 

Ich begegne gerne Menschen aus unterschiedlichen Ländern und Kulturen. Das ist nicht nur an Bord möglich, sondern auch innerhalb unseres Unternehmens. Als internationale Marke haben wir Kollegen auf der ganzen Welt. Das trägt zu einem kulturell vielfältigen Arbeitsumfeld bei. Und natürlich ist es ein großer Vorteil, wenn man diese Länder als Teil des Berufs dann auch bereisen und kennenlernen kann! 

Wie viele Länder hast du bereits gesehen und welches gefällt dir am besten? 

Ich kann gar nicht mehr sagen, wie viele Länder ich seit meinem Beginn bei Singapore Airlines schon besucht habe. Aber meine Lieblingsdestination ist bis heute Yangon in Myanmar. Ich mag diesen Mix aus urbaner Landschaft, kolonialer Architektur, modernen Wolkenkratzern und goldenen buddhistischen Pagoden. Die Menschen dort sind so herzlich und aufgeschlossen. Trotzdem freue ich mich immer darauf nach Singapur heimzukehren, wo ich unsere modernen Annehmlichkeiten und unseren preisgekrönten Flughafen genieße. 

Natürlich hat jede Medaille zwei Seiten und so bringt auch dein Job sicherlich seine Schattenseiten mit sich. Was gefällt dir an deinem Beruf nicht so gut? 

Ich würde gern mehr Zeit in den einzelnen Ländern verbringen, um die Kultur noch besser kennenzulernen. Da die Zwischenstopps manchmal ziemlich kurz ausfallen, ist das nicht immer möglich. Aber ich versuche immer so viel wie möglich zu sehen. 

Ich bin schon unzählige Male in die Lüfte gestartet, dennoch ist der Start für mich nach wie vor etwas Besonderes. Auch die Landung stellt für mich noch immer eine Herausforderung dar, da ich nicht selten einen unangenehmen Druck in den Ohren verspüre. Nun zu meiner Frage: ist Fliegen für dich wie Autofahren für andere, eine Routine ohne Nervosität oder Nervenkitzel? 

Das Fliegen bleibt immer etwas ganz Besonderes, selbst, wenn man mehrmals pro Woche abhebt, denn kein Flug ist gleich und das macht jeden Arbeitstag aufregend. 

Bleiben wir bei der Landung: was hältst du von klatschenden Passagieren? 

Ich denke, es ist eine anerkennende Geste für die Besatzung und die Piloten, dass unsere Passagiere unseren Service und ihren Flug mit uns genossen haben. 

Jeder kennt ihn und jeder fürchtet ihn. Er kann berufliche Reisen zum Fiasko und den Urlaub zum Totalchaos werden lassen. Er ist nicht selten eine Zerreißprobe für Pärchen, beziehungsweise Freundschaften und schleicht sich auch auf dem Heimweg wieder mit ins Gepäck: der Jetlag! Wie gehst du damit um, und hast du vielleicht ein paar Geheimtipps, wie man den fiesen Reisebegleiter umgehen kann? 

Der Jetlag ist ein vieldiskutiertes Thema bei unseren Gästen, vor allem da wir viele Langstreckenflüge anbieten (etwa von Deutschland nach Singapur). Mein Rat ist, an Bord einfach zu relaxen, den Service zu genießen und sich etwas Spannendes aus unserem umfassenden Bordentertainment Krisworld auszuwählen. Ein Teil unserer Arbeit besteht darin, unseren Fluggästen den Wechsel zwischen Zeitzonen zu erleichtern, zum Beispiel indem wir die Beleuchtung dimmen, um das Einschlafen zu erleichtern. Dafür kooperieren wir auch mit Partnern wie Canyon Ranch und COMO Shambhala, damit wir unseren Gästen ein Wohlfühlerlebnis auf Reisen bieten können. 

Ein immer größer werdendes Thema ist die sogenannte Work-Life-Balance. Wie schaffst du es, dass sich Arbeit und Freizeit die Waage halten? 

Das Wichtigste ist, Spaß bei der Arbeit und eine Passion für das Fliegen und für den Service an Bord zu haben. Mein Beruf ermöglicht es mir viel von der Welt zu sehen und in meiner freien Zeit neue Städte und Kulturen zu entdecken. Wenn ich in Singapur bin, nehme ich mir Zeit für Familie und Freunde… So bleibe ich in Balance. 

Ich kann mich noch gut daran erinnern; mein Opa reiste einmal nach New York und hatte sich für diesen Anlass seinen besten Anzug rausgesucht. Er putzte sich heraus, als ginge er zur Sonntagsmesse. Wenn man sich heutzutage im Flugzeug umschaut, könnte man auch auf den Gedanken kommen, es ginge zum kollektiven Sammelpunkt der Trainingshosen-Liebhaber. Hat das Fliegen an Glamour verloren? 

Es stimmt schon, dass manche Fluggäste sich formeller kleiden, während andere bequeme Kleidung bevorzugen, um entspannt zu reisen. Für uns kommt es darauf an, dass sich unsere Gäste an Bord wohlfühlen – unabhängig von ihrer Kleidung. 

Bleiben wir gleich beim Thema äußerliches Erscheinungsbild. Die SIA Girls von Singapore Airlines heben sich unter anderem durch ihre spezielle Uniform ab. Gefällt dir dein Outfit besser, als die klassischen Flugbegleiterinnen-Garderobe der anderen Airlines? Ich persönlich liebe die traditionelle Sarongs! 

Ich bin sehr stolz darauf, die Sarong-Kebaya Uniform unserer Airline zu tragen. Sie ist das unverkennbare Markenzeichen der Crew von Singapore Airlines. Entworfen wurde sie übrigens 1968 von Pierre Balmain und die unterschiedlichen Farben stehen für den jeweiligen Rang. 

Swee Ying Liew, Leading Stewardess von Singapore Airlines

Ich habe einmal von einer Flugbegleiterin erfahren, dass sie beim Eintreten der Fluggäste großen Wert darauf lege, nett gegrüßt zu werden. Seitdem setze ich jedes Mal mein breitestes Grinsen auf und begrüße alle Flugbegleiterinnen freudestrahlend. Freust du dich tatsächlich darüber oder verschwimmen die vielen hundert mehr oder weniger knappen Willkommensgrüße zu einer monotonen Masse? 

Für uns zählt jeder einzelne Gast und seine individuellen Bedürfnisse. Deshalb freuen wir uns, wenn wir glückliche Passagiere treffen, die sich auf den Flug freuen oder wenn sie lächelnd aussteigen, weil sie eine wunderbare Zeit an Bord hatten. 

Vielen Dank für deine Zeit und viel Spaß bei deinem nächsten Flug!

Alex

1 Kommentar

  1. Steffen
    25. März 2020 / 11:08

    Toller Beitrag, danke! Sehr interessant 😉 Ich bin großer Fan der Singapore Airlines und durfte die Stewardess auf der ITB in Berlin letztes Jahr kennenlernen. Ich bin auch von der Löwenstadt begeistert und war letztes Jahr zweimal dort, einmal zum Halbmarathon

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